Ausprobiert: Sarahs (17) Premiere auf einem Segway

Um die erste Kurve noch im Schneckentempo
Zwei Räder und 8000 Rechenprozesse pro Sekunde: Segway

Von Sarah Sievert

Und da soll ich mich jetzt draufstellen?“, war mein erster Gedanke, als ich das Gefährt auf zwei Rädern sah. Ich konnte mir noch nicht vorstellen, auf dem lediglich körpergesteuerten Gerät das Gleichgewicht halten zu können. Als Heribert Sumpmann, stellvertretender Leiter der Materialwirtschaft bei den Stadtwerken, das Segway aus der Garage holte und damit auf den Stadtwerke-Parkplatz fuhr, sah das aus wie ein Kinderspiel. „Das müsste doch zu schaffen sein“, dachte ich bei dem Anblick. Schließlich durfte ich auch erst mal im bis zu acht Stundenkilometer „schnellen“ Schildkröten-Modus fahren, um das Unfallrisiko gering zu halten. Da war ich am Anfang auch ganz froh drüber.

Nachdem Herr Sumpmann mir die Bedienung des Segways erläutert hatte, ging es dann los. Erste Probleme hatte ich schon beim Aufsteigen, da das Gerät immer zurückrollte und mir gegen die Schienbeine fuhr. Denn der Haken bei der Sache: Meine Arme waren nicht lang genug, um die Lenkstange so weit nach vorne zu halten, dass das Ding stillstand. Doch mit Hilfe Herrn Sumpmanns gelang mir schließlich der Aufstieg und ich rollte etwas wackelig los. Zuerst ging es für mich nur geradeaus, da ich erstmal mit dem Versuch beschäftigt war, einigermaßen gerade stehen zu bleiben. Schließlich sind die ersten Meter auf dem Gerät schon etwas gewöhnungsbedürftig und man hat immer noch Angst, damit umzufallen. Ich war außerdem auch noch mit der Erwartung beschäftigt, wegen meines Anblicks ausgelacht zu werden. Doch auch der Parkplatz ist irgendwann zu Ende, weshalb es auf einmal hieß: Zeit, umzudrehen. Doch was nun? Mit Lenken war hier schließlich nichts auszurichten. Vorsichtig bremste ich durch Zurücklehnen des Körpers etwas ab und verlagerte mein Gewicht auf das rechte Bein. Und siehe da, so schaffte ich meine erste Kurve im Schneckentempo. Das war doch gar nicht so schwer. Frisch motiviert startete ich wieder durch und gewöhnte mich schneller, als ich dachte, an die Handhabung.

Trotz anfänglicher Skepsis machte das Fahren wirklich Spaß. Da wurde mir der Schildkröten-Modus auch schon zu langsam und ich durfte auf normale Geschwindigkeit (bis zu 20 Stundenkilometer) umschalten. Jetzt ging es erst richtig los, schließlich hatte ich auf dem großen Parkplatz auch genug Raum, um zu beschleunigen. Bei Kurven war ich noch etwas misstrauisch und ging die Sache lieber langsam an. Doch schon bald merkte ich, dass das Fahrzeug auf die kleinsten Berührungen reagiert, sehr kurzzeitig abbremsen kann und selbst die engsten Kurven schafft. Da wurde ich dann schon mutiger und kurvte immer schneller um die parkenden Autos. Spätestens jetzt hätte ich mich bereit für den Straßenverkehr gefühlt. Doch nachdem ich noch eine Extrarunde gedreht hatte, gab ich den Segway schweren Herzens Herrn Sumpmann zurück.

Der gab zu, bei seiner ersten Fahrt mit dem Gerät „gewackelt zu haben, wie ein Lämmerschwanz“.

Da kann ich nur hoffen, dass es bei mir nicht ganz so schlimm ausgesehen hat. Aber selbst wenn, hab‘ ich ja immer noch den Anfängerbonus. Und auch wenn ich früher immer gedacht habe „Wie sieht das denn aus?“ oder „Was soll daran so toll sein?“, bin ich jetzt vom Gegenteil überzeugt. Denn das Fahren macht wirklich eine Menge Spaß, vor allem, wenn man mal einen Zahn zulegt. Außerdem gewöhnt man sich ziemlich schnell dran, wie ich finde, und muss auch keine Angst haben. Denn so leicht kippt das Ding auch nicht um, wie manch einer vielleicht denkt.

Ich kann also nur empfehlen, Segway-Fahren mal auszuprobieren und hoffe, dass ich selber noch mal irgendwann die Gelegenheit
bekomme, auf einem zu stehen.

Schließlich weiß ich ja jetzt, wie‘s geht...

 

Wie funktioniert so ein Segway eigentlich?

Der Segway ist ein zweirädriges, elektrisches Fahrzeug, das ausschließlich durch Körperbewegungen gesteuert wird. Mikroprozessoren sowie Gleichgewichts- und Beschleunigungssensoren reagieren mit 8000 Berechnungen pro Sekunde auf kleinste
Gewichtsverlagerungen und regulieren elektronisch die Fortbewegung des Geräts.
Das Zweirad bewegt sich deshalb ausschließlich in die Richtung, in die sich der Fahrer lehnt. Es fährt bis zu 20 Stundenkilometer schnell und bleibt im Gegensatz zu anderen Zweirädern auch im Stillstand stabil. Um Segway fahren zu dürfen, muss man einen (Mofa-) Führerschein besitzen und mindestens 16 Jahre alt sein.
Segways sind in erster Linie als Verkehrsmittel konzipiert. Sie sind auf Radwegen zulässig, dürfen aber, falls solche nicht vorhanden sind, auch auf den meisten Fahrbahnen geführt werden.


Mit freundlicher Genehmigung der Ahlener Zeitung
© Ahlener Zeitung - Sarah Sievert, Fotos: Jörg Pastoor