Für einen Tag ein Elektroauto Probe fahren

Geräuschlos dem Ziel entgegen schweben

Für einen Tag ein Elektroauto Probe fahren? Das Carsharing-Modell der Stadtwerke macht es möglich. Und trotzdem habe ich ein mulmiges Gefühl, als ich mit  Marketing-Chef Thorsten Hatton vor der Ladestation stehe: ein dickes Kabel verbindet sie mit dem Fahrzeug, einem Renault Zoe. Die Reservierung im Internet war kinderleicht :über www.e-wald.eu eingeloggt und den Wunschtermin gebucht, Karte bei den Stadtwerken abgeholt. Thorsten Hatton erklärt mir geduldig alle Funktionen des Elektroautos. „Vorsicht bei Fußgängern und Radfahrern, sie hören das Fahrzeug nicht“, warnt er mich. Die Schlüsselkarte in die Mittelkonsole gesteckt und los geht` s. Herrlich, die Automatik macht das Fahren leicht, ein leises Summen begleitet mich. Nur Windgeräusche begleiten die Musik aus den Lautsprechern. Es ist herrlich  entspannend und so einfach...ein Gefühl des Schwebens.

Die Anzeige im vollgetankten Modus liegt bei einer Reichweite von 135 Kilometern. Die Säule sinkt mit jedem gefahrenen Kilometer. Mein erstes Ziel ist die Harkortstraße in Ahlen, anschließend habe ich einen Termin in der Stadt Sendenhorst. Alles ist im grünen Bereich und Gott sei Dank haben die Fußgänger beim Überqueren der Ampel in Höhe der Kreuzung Adenauer Ring/Beckumer Straße nicht nur Ohren sondern auch Augen. Es läuft gut, ich werde immer mutiger. Die Beschleunigung aus dem Stand und während der Fahrt ist gut und kann mit jedem anderen Fahrzeug mithalten. Am Ziel suche ich einen Parkplatz. Dabei erweist sich die Rückfahrkamera als Einparkhilfe als angenehmer Luxus. Auch die Wendigkeit des französischen Mittelklasse-Autos imponiert mir.

Ich bin voller Vorfreude, als ich mich nach meinem Termin wieder ins Auto setze. Karte rein-Starterknopf drücken. Warum kommt nichts? Hilfe, ich muss pünktlich in Ahlen  sein. Alles auf Anfang: Karte raus, wieder rein, Starterknopf gedrückt. Nichts. Gott sei Dank habe ich eine Telefonnummer für den Notfall. „Ruhig bleiben“ ,sage ich mir und starte einen dritten Versuch. Ein Blick auf das Display zeigt „Ready“ , also bereit, und das war das Fahrzeug auch schon beim ersten Versuch: ich hatte einfach vergebens auf das gewohnte Motorgeräusch des Anspringens gewartet.

Zurück nach Ahlen Zielpunkt Sparkasse. Die Zufahrt zu den Parkbuchten ist eng und kurvig- mit Zoe kein Problem: hier trumpft die Größe und Wendigkeit des kleinen Flitzers. Am Abend führt mich zum zweiten Mal an diesem Tag die Fahrt nach Sendenhorst. Auf dem Parkplatz des St. Josef Stifts sprechen mich Besucher auf das mit Umwelt-Werbung beklebte Auto an. Ich fühle einen gewissen Stolz- bin ich nicht gut klar gekommen bisher ? Und die Automatik ist das Beste. Nein nicht ganz. Müsste ich für mein Fahrzeug  50 Euro für Super Sprit aus dem Portemonnai nehmen, stecke ich nach mehr als 80 Kilometer Fahrspaß einfach nur den Stecker vom Motorraum in die Ladesäule, der nächste Kunde kann kommen. 

Hintergrund

Die Stadtwerke sind Vorreiter bei der Elektromobilität. Als erste im Kreis Warendorf installierten sie auf ihrem Betriebsgelände eine Tanksäule für Elektrofahrzeuge, gespeist von einer Fotovoltaik-Anlage. Den Strom gibt es kostenlos, das Aufladen dauert nur eine Stunde. Die E-Autos sind auf dem Vormarsch, sieht Susanne Block die Elektromobilität im Aufschwung. Die Geschäftsführerin der Renault-Autohäuser Teufel in Ahlen und Beckum hat nachgeschaut: 2015 wurden im Kreis Warendorf 26 E-Autos zugelassen, davon elf der Marke Renault Zoe. Bundesweit waren es 12 363 Zulassungen .Ausgestattet ist „Zoe“ mit Automatikgetriebe, Klimaanlage, Navi und weiteren Extras. Sie gewährt eine Kaufprämie in Höhe von 5000 Euro.

Ihre Kunden sind überwiegend Personen, die einen Weg zur Arbeitsstätte von 30 bis 50 Kilometer haben. Am Abend lässt sich das Auto auch an der hauseigenen Steckdose aufladen, doch dort dauert der Vorgang acht Stunden. Mit „Sprit“ aus der Steckdose fahren jetzt auch Mitarbeiter der Stadt Beckum. Für Fahrten nach Münster nutzen sie künftig das E-Mobil Renault Zoe. Übrigens: auf die Batterie gibt es eine besondere Garantie: fällt die Leistung unter 75 Prozent, gibt es kostenlos Ersatz.

© Angelika Knöpker